Ambassadør Michael Zenners tale på konferencen "Norden & Tyskland" i København den 22. oktober 2012

Ambassadør Michael Zenner forstør billede Ambassadør Michael Zenner (© Jörg Carstensen/dpa)

Der Norden und Deutschland – eine Partnerschaft

 

- es gilt das gesprochene Wort -

 

Sehr geehrter Botschafter Ingvar Havnen,

sehr geehrter Herr Vaagland,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich freue mich sehr, heute mit Ihnen hier bei der Eröffnung der Tagung „Deutschland und der Norden“ in Kopenhagen zu sein. Ich freue mich besonders über diese Initiative aller nordischer Staaten und die Konferenzen in allen nordischen Hauptstädten und dann in Berlin. Mir gefällt es, dass wir heute und morgen die deutsch-nordischen Beziehungen aus verschiedenen Blickwinkeln wie Politik, Sprache, Religion, Kultur und Kunst betrachten und Gedankenanstöße geben werden. Sie, lieber Herr Vaagland und ihr Team, haben uns heute und morgen großzügig die Türen geöffnet. Dafür ein herzlicher Dank.

 

Auch wenn die Beziehungen jedes nordischen Staates zu Deutschland unterschiedlich sind, so gibt es doch viele gemeinsame Paradigmen und historische Linien. Unsere gemeinsame wechselvolle Geschichte ist Verpflichtung in die Zukunft: das nationalsozialistische Deutschland hat viel Leid über seine Nachbarländer gebracht. Dass die bilateralen Beziehungen Deutschlands zu den nordischen Staaten heute so gut sind, ist vor allem dem Willen der nordischen Staaten zur Kooperation und zum Vergeben geschuldet. Sie haben dem Nachkriegsdeutschland schnell wieder die Hand gereicht und es in der Familie eines demokratischen und partnerschaftlichen Europas willkommen geheißen.

Wir haben vor kurzem zum 22. Mal unsere Wiedervereinigung in Freiheit feiern können. Ohne die Unterstützung, Solidarität und das Vertrauen der europäischen und transatlantischen Partner und Freunde wäre der 3. Oktober 1990 niemals möglich gewesen. Dafür ist Deutschland allen – insbesondere gerade auch den nordischen Staaten - sehr dankbar.

 

Erlauben Sie mir, wenn ich mich als deutscher Botschafter in Dänemark im Folgenden stärker auf die deutsch-dänischen Beziehungen konzentriere:

Dänemark und Deutschland sind durch eine zukunftgewandte Partnerschaft verbunden. Jüngster Höhepunkt in den Beziehungen war der Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Dänemark im September dieses Jahres. Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie unsere Minister treffen sich regelmäßig und pflegen einen engen Austausch.

Auch die Wirtschaftsbeziehungen sind eng. Deutschland ist der wichtigste Außenhandelspartner Dänemarks und die Zusammenarbeit gerade in Zukunftsbranchen wie in Biotechnologie, im Umwelt- und Klimaschutz ist sehr intensiv. Der Fehmarnbelttunnel - unser größtes bilaterales Projekt - wird in wenigen Jahren unsere beiden Länder noch näher bringen und eine Wachstumsregion mit Kopenhagen im Zentrum entstehen lassen.

 

Der Kulturaustausch zwischen Deutschland und Dänemark ist durch eine große Vielfalt geprägt. Dänemark übt eine starke Anziehungskraft auf deutsche Künstler aus. Umgekehrt ist Deutschland, und hier vor allem Berlin als Hauptstadt, für das interessierte dänische Publikum ein kultureller Magnet. Viele Skandinavier haben unsere Hauptstadt Berlin als Symbol des wiedervereinigten, modernen und kreativen Deutschlands besucht und sind ihrem Charme erlegen.

 

Für viele Deutsche war und ist Skandinavien und der Norden ein Sehnsuchtsort. Für viele war er im 2. Weltkrieg Zufluchtsort. Hier möchte ich nur an Willy Brandt oder Bertolt Brecht erinnern. Dass diese so unterschiedlichen Personen Zuflucht vor dem nationalsozialistischen Deutschland in Skandinavien fanden, zeigt auch die große Demokratietradition und die gelebte Solidarität in Ihren Ländern.

 

Insbesondere auch die Kultur in Ihren Ländern hat uns Deutsche immer fasziniert. Ich selber habe als Kind mit großer Leidenschaft die germanischen Götter- und Heldensagen und die Märchen von H.C. Andersen verschlungen. Heute gibt es kaum noch Deutsche, die nicht Bücher von Mankell, Adler-Olsen oder Nesbø gelesen oder nicht einen der vielen, spannenden skandinavischen Krimiserien gesehen haben. Pippi Langstrumpf und die Olsen-Bande sind fast jedem in Deutschland ein Begriff. Kauris mäki und die Leningrad Cowboys haben bei uns viele Fans. Und was wäre die Wissenschaft und die Literatur ohne den Austausch zwischen Deutschland und den nordischen Ländern? Sören Kierkegaard, Henrik Ibsen, August Strindberg und Niels Bohr sind nur einige der Namen, die als Brückenbauer Großes in ihren Gebieten geleistet haben.

 

Mich freut es deshalb sehr, dass seit ein paar Jahren das Interesse an Deutschland in den nordischen Staaten stärker wächst und unsere Beziehungen heute enger sind denn je. Gerade die Zusammenarbeit zwischen den nordischen Ländern und Deutschland, vor allem auch im Rahmen einer sich weiterentwickelnden Europäischen Union und im internationalen Umfeld, ist eng und vertrauensvoll.

 

Das Zukunftsprojekt Europa steht heute vor sehr großen Herausforderungen. Die europäische Einigung hat uns sechs Jahrzehnte der Freiheit, des Friedens und des Wohlstands gebracht. Es ist ein Zukunftsprojekt von unschätzbarem Wert. Wir Deutsche haben aufgrund unserer Geschichte die besondere Verantwortung, dieses Projekt zu unterstützen. Ich bin überzeugt, dass es unseren Ländern nicht gut gehen wird, wenn es Europa auf Dauer schlecht geht.

 

Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise haben mehrere EU-Außenminister im September Diskussionsvorschläge vorgestellt, um die EU handlungsfähiger, transparenter und demokratischer zu machen. Zwei Aspekte haben die Minister dabei im Fokus: erstens, der Überwindung der Staatsschuldenkrise und zweitens, wie sichern wir Europas Zusammenhalt in der Zukunft. Die Außenminister sind sich einig, dass die EU ihre Interessen kraftvoll vertreten und ihre Werte überzeugend realisieren und vermitteln muss. Die Debatte über die Zukunft Europas muss jetzt mit Vernunft und Leidenschaft geführt werden, und zwar von den Bürgerinnen und Bürgern in ganz Europa. Die Vorschläge der Außenminister richten sich dabei auf eine Stärkung der Wirtschafts- und Währungsunion, die Verbesserung der demokratischen Legitimierung Europas und eine effizientere und transparentere Funktionsweise der europäischen Institutionen und weitere Schritte hin zu einer gemeinsamen Außen- und Verteidigungspolitik.

 

Um die gegenwärtige Krise zu meistern, hat Europa bereits große Anstrengungen unternommen. Der Schlüssel hierfür lautet Wachstum durch Wettbewerbsfähigkeit. Der Fiskalpakt, der Wachstumspakt und der dauerhafte Rettungsschirm stehen für einen umfassenden Lösungsansatz. Der Europäische Rat hat vergangene Woche mit dem Beschluss zur Einführung eines Bankenaufsichtssystems eine weitere wichtige Etappe in der Fortentwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion beschritten. Der Dreiklang von Haushaltsdisziplin, europäischer Solidarität und Wachstum bietet keine einfache Lösung, setzt aber bei der Ursache der Krise an und zeigt in den Ländern, die Hilfen erhalten, bereits Wirkung. Deutschland ist sich der Tragweite der oft sehr schmerzhaften Reformbemühungen für die Menschen bewusst und achtet daher sehr die Anstrengungen dieser Länder. Solidarität ist eine wichtige europäische Idee. Gleichzeitig trägt jeder Staat Verantwortung für das Ganze. Deutschland ist sich seiner Verantwortung als größte Volkswirtschaft und verlässlicher Partner in Europa sehr bewusst und leistet als Stabilitätsanker und Wachstumsmotor in Europa einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Wirtschaftslage.

 

Die Zukunft Europas ist eine große Herausforderung für uns alle, denn unsere gemeinsamen Werte, die Achtung der Menschenrechte, die Förderung von Frieden, Freiheit und Demokratie können wir in Europa nur gemeinsam angehen. Nur eine starke EU kann die zukünftige Weltordnung mitgestalten und europäische Werte und Interessen bei drängenden globalen Zukunftsfragen wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung, Demografiewandel, Abrüstung und Wachstum einbringen. „In Vielfalt geeint“ ist deshalb zu Recht das europäische Motto. Die europäischen Werte sind das Band, das uns zusammenhält. Wir wollen dieses Band stärken und die Zukunft ganz Europas mit gestalten. Gemeinsam mit unseren Partnern – gemeinsam mit den nordischen Ländern.

 

Ich bin sicher, dass dieses Band heute und morgen gestärkt werden wird. Die Dichte des Konferenzprogrammes und die Qualität der Zusammenarbeit zum Gelingen dieser Tagung stehen für mich symbolhaft für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den nordischen Staaten. Dass diese bereichernden und spannenden Vorträge zustande kommen, ist dem Zusammenwirken vieler zu verdanken. Für die Zukunft und Weiterentwicklung der Partnerschaft zwischen Deutschland und den nordischen Staaten sind Austausch, Begegnung und persönliche Kontakte entscheidend. Die Konferenz ist hierfür der ideale Ort.

 

Zum Schluss kommend, bleibt mir nur noch eines: der Tagung Erfolg zu wünschen. und den Veranstaltern und Unterstützern zu danken.

Ambassadør Michael Zenners tale (på tysk)