Rede des Botschafters auf dem Volkstrauertag 2011
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Volkstrauertag 2011
(© Deutsche Botschaft Kopenhagen)
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Wir haben uns heute am 13. November anlässlich des Volkstrauertags hier auf dem Vestre Kirkegaard versammelt. Auf diesem Friedhof haben Frauen, Kinder und Männer, die Opfer der schrecklichen Kriege wurden, ihre letzte Ruhe gefunden.
Vor einigen Monaten war ich zum ersten Mal an diesem eindrucksvollen und würdigen Ort, als engagierte, junge Mitglieder des "Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge" die Gräber pflegten.
Heute am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Wir gedenken derer, die wegen ihrer Überzeugung, ihrer Rasse, ihrer Religion verfolgt, geschunden und ermordet wurden.
Deutschland hatte durch den von ihm ausgehenden Krieg und die von ihm verübte Gewalt unermessliches Leid verursacht und sich dadurch aus der Staatengemeinschaft ausgeschlossen. Im Freiheitsmuseum in Kopenhagen werden wir daran erinnert, wie auch Dänemark unter der deutschen Besatzung und dem Unrecht gelitten hat.
Wir haben uns der Verantwortung, die die Geschichte uns auferlegt hat, gestellt.Die Präambel des deutschen Grundgesetzes gab uns, der jungen deutschen Demokratie, 1949 - wenige Jahre nach Kriegsende - den Auftrag, "in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen". Mit diesem uns auferlegten Auftrag und unserer Politik der Versöhnung haben wir wieder das Vertrauen in der Staatengemeinschaft erlangt, Vertrauen in Deutschland, welches auch die Deutsche Einheit vor 21 Jahren erst möglich werden ließ.
Wir bleiben dieser besonderen Verantwortung verpflichtet. Wir treten zusammen mit unseren Partnern für Frieden, Freiheit und die Achtung der Menschenrechte weltweit ein. Auch heute im 21. Jahrhundert ist die Welt voller Konflikte, die Leid und Tod bringen. Hier sind wir alle gefordert.
Der heutige Volkstrauertag ist für uns daher ein Tag des Gedenkens und der Mahnung. Er mahnt uns, aus den Schreckensbildern der Vergangenheit zu lernen und weltweit gegen Krieg und Gewalt und für Menschlichkeit einzutreten. Der Volkstrauertag mahnt uns, den Wert des Lebens und die unveräußerliche Würde des Menschen als höchstes Gut anzuerkennen.
Lassen Sie uns jetzt der Toten gedenken:
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurden.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.
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Volkstrauertag 2011
(© Deutsche Botschaft Kopenhagen)